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Premiere: Musikfestival fand zum ersten Mal im Erpeler Tunnel statt

Der Erpeler Tunnel war am Wochenende ein Ort, an dem man es aushalten konnte. Nicht nur weil dort erfrischende 13 Grad herrschten, sondern auch aufgrund des kulturellen Angebots. Der Tunnel wird bereits seit Jahren als Theaterspielstätte genutzt. An diesem Wochenende feierte dort das erste Klangtunnel-Festival seine Premiere. Während draußen die Temperaturen Richtung 40 Grad kletterten, genossen die Zuschauer drinnen, in dicke Jacken gehüllt, ein hochkarätiges Programm.

Das Leitmotto des experimentellen Musikfestes „Turbulenzen“ passe zu dem geschichtsträchtigen Ort, aber auch in die heutige Zeit, in der die Nachrichten von weltweiten Turbulenzen berichten, meinen die jungen Organisatoren um Ideengeber Tobias Patrick Wolf. Der 23-Jährige aus Erpel, der Musikwissenschaften und Anglistik studiert und beim Bonner Beethovenfest eine Ausbildung machte, konnte hochkarätige Künstler für den Klangtunnel begeistern. Im Tunnel-Hausherrn, dem Erpeler Kunst- und Kulturkreis Ad Erpelle, fand er Unterstützer, und die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth konnte als Schirmherrin gewonnen werden.

„Beim Klangtunnel bieten die teilnehmenden Künstler sozusagen ihre künstlerische Interpretation dieser Turbulenzen, erläuterte Wolf zum Auftakt des dreitägigen Programms, das mit der Sprechbühne Halle am Freitag startete.

Das Stück „In Verjandlungen mit Ernst“ hatten die Studenten des Seminars für Sprachwissenschaften um die Regisseurin Martina Haase die Inszenierung genannt, die ein Stück von Ernst Jandl umsetzt. „Wir präsentieren eine Szenencollage aus lyrischen und epischen Texten des österreichischen Autors“, erläuterte Haase, bevor die Darsteller ihr Spiel mit Texten – im wahrsten Sinne des Wortes – begannen. Gedichte wurden plötzlich lebendig, spielten mit ihrem Schöpfer. Verschiedenfarbig erwachten sie zum Leben und forderten ihren geistigen Vater emotional heraus. „Es ist ein Spiel um den kreativen Prozess der Entstehung von Literatur und Kunst“, sagte Haase.

Mit einem exklusiv für den Klangtunnel erarbeiteten Programm näherte sich das Kammermusikkonzert am Samstagabend dem Leitgedanken Turbulenzen. Die Konzertflötistin Ulrike Sinapius, Violinistin Birgitta Winnen, Anette Gärtner am Fagott und Pianistin Marlis Wemheuer sowie Rezitationen von Volkmar Kramarz, Musikwissenschaftler an der Universität Bonn, boten Musik und Texte unter anderem von Telemann, Mozart, Hindemith, Morgenstern, Borchert und Mörike.

Die Veranstaltungen waren an allen Tagen gut besucht, auch wenn sich Wolf vor allem am Freitag noch mehr Besucher gewünscht hätte. Bei den Gästen kam der Klangtunnel gut an. „Ein tolles Projekt. Hoffentlich wird es fortgeführt“, wünscht sich Ellen Schmitz. Wolf kann sich vorstellen, dass der Klangtunnel in zwei Jahren erneut im Erpeler Tunnel über die Bühne geht.

Rhein-Zeitung vom 20. Juli 2015 / Text und Foto: Sabine Nitsch

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